Lademittel
Lademittel, des Spediteur und Unternehmers große Last
Als eines der letzten Tauschländer des Europaletten Pools hat Deutschland nachwievor das große Problem mit Verwaltung und nicht gerade geringe, finanzielle Belastung im Zuge von Tausch und Weiterverkauf an den Endkunden bzw. Rückholungen von Lademitteln.
Umso mehr hat mich dann erstaunt als im Laufe diesen Jahres unser Partner, Andreas Schmid Spedition aus Gersthofen bei Augsburg, erklärte, daß sie den Tauschpalettenpool auf Italien ausgeweitet haben.
Lademittelverwaltung
Als ich die Lademittelverwaltung übernommen habe war mir der Umfang und die Folgen von Tauschpalettenprozessen noch nicht so bewußt gewesen wie jetzt in diesem Moment.
Einerseits ist es für den Kunden günstiger eine vereinbarte Gebühr für den Lademitteltausch zu entrichten anstatt die Palette zusammen mit der Ware zu erwerben (sollte er nicht regelrecht Bedarf an diesen haben müßte er sich nach einer Weitergabe- oder Entsorgungsmöglichkeit für diese Lademittel umsehen. Bei dem Wert einer Tauschpalette überlegt man sich zumindest diese gleich zu entsorgen…), andererseits muß er eigenen Tauschpalettenpool verwalten um den Lademitteltausch Zug-um-Zug erst zu ermöglichen.
Der Weg einer Mehrwegpalette
Dies zumindest im Optimalfall. Meistens sieht der Lademitteltausch jedoch wie folgt aus:
- Unternehmer holt Ware im Lager oder beim Produzenten ab und tauscht die Mehrwegpaletten oder läßt sie sich wiederrum seinem Palettenkonto belasten zum späteren Ausgleich
- Ware wird auf den Mehrwegpaletten beim Kunden angeliefert und zusammen mit dem Lademittel an diesen übergeben
- Kunde hat leider nur einen kleinen oder keinen Lademitteltauschpool und kann keine Mehrwegpaletten an den Unternehmer zurückgeben und eine Gutschriftbescheinigung/ein Palettenschein ausgestellt
- Optional wird die Mehrwegpalette strengstens begutachtet, nach nicht immer nachvollziehbaren Grundlagen, und zu einer nicht mehr tauschbaren Einwegpalette degradiert. Ich gehe mal davon aus, und das ist meine persönliche Einschätzung, daß 80% dieser Paletten dennoch dem Tauschmittelpool als Mehrwegpalette wieder zugeführt wird
- Unternehmer fordert nun eine Gutschrift auf seinem Lademittelkonto
- Es besteht nun die Möglichkeit den Kunden mit den nicht getauschten Mehrwegpaletten zu belasten, und diese quasi an ihn zu veräußern und dem Unternehmer sein Lademittelkonto/Palettenkonto gutzuschreiben oder beides lassen und den Unternehmer drauf hinweisen, daß er mit dem erhaltenen Palettenschein seine Paletten zu einem vereinbarten Termin beim ursprünglichen Empfänger wieder abholen kann.
Nachteile von Lademitteltauschvereinbarungen
- Der Kunde erkennt die Rechnung über die Lademittel nicht an und verweist auf die Möglichkeit der Abholung dieser, Mehraufwand in der Verwaltung
- Der Versender/Hersteller hat durch die Führung eines Lademittelkontos erheblichen Aufwand. Durch die Palettenschulden von Spediteuren und Unternehmern zusätzlich eine hohe Kapitalbindung und stetigen Bedarf an neuen Einkäufen von Lademitteln
- Der notwendige Lademittelpool zum Tausch braucht ebenso Lagerplatz
- ein erheblicher Lagerplatz für das Aufbewahren von Lademitteln muß geschaffen werden welcher ohne wirtschaftlicher genutzt werden könnte
- EDV muß, falls nicht vorhanden, zusätzlich eingerichtet oder angeschafft werden
- Je nach Aufwand muß Personal eingestellt werden oder bestehendes Personal mit den zusätzlichen Aufgaben beauftragt werden
Vorteile von Mehrwegpaletten / tauschbaren Lademitteln
- Umweltfreundlichkeit – die Lademittel im Mehrweg werden öfter verwendet
- geringere Kosten für den Ware empfangenen Kunden bei einwandfreiem Tausch der Lademittel
- in der Regel höhere Qualitätsmerkmale von tauschbaren Lademitteln gegenüber Einwegpaletten
Fakt ist, daß der Lademitteltausch ein zweischneidiges Schwert ist und einer strafen Organisation unterliegen muß.
Regelmäßige Abstimmungen mit den Unternehmern und Abgleich der Lademittelkonten sind Pflicht. Ansonsten ist Chaos vorprogrammiert.
No related posts.

Lieber Herr Ott,
vielen Dank für Ihren interessanten Artikel, den ich leider erst jetzt beim Surfen gefunden haben. Ich gebe Ihnen Recht: Lademitteltausch erfordert eine straffe Organisation und den Austausch von Bestands- und Bewegungsdaten zwischen Unternehmen. Dies ist aber mittlerweile recht einfach mit IT-Programmen möglich, die konsequent auf den Einsatz von Webtechnologien setzen.
Selbstentwickelte Lösungen oder gar Excel-Tabellen rufen mindestens Schnittstellenprobleme hervor, wenn der Austausch von Daten überhaupt unterstützt wird. Andererseits sind viele Unternehmen wenigstens auf diese Formen der Aufzeichnungen angewiesen, um einigermaßen den Überblick zu behalten.
Beim Einsatz webbasierter Lademittelverwaltungssoftare ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Zunächst entfällt die häufig anzutreffende Zettelwirtschaft durch direkte Eingabe im System. Damit sind Bestandskonten ständig aktuell und für alle Parteien einsehbar. Auch eine Verbindung zu ERP-Systemen ermöglicht die Datenübernahme z.B. vom Lieferschein. Rücklieferungen lassen sich avisieren bzw. Abholungen anmelden. Allen Seiten bekannte Bewertungsraster verringern die sonst auftretenden “Dissonanzen an der Rampe”. Selbstverständlich unterstützen moderne Systeme auch den Einsatz von AutoID-Techniken (Barcode und RFID) und sind auf Grund der Bereitstellung als Dienst vom ersten Tag an wirtschaftlich. Weitere Informationen über das Produkt Geqoo Boxes, das in diese Kategorie fällt, unter: http://geqoo.ubigrate.com/behaeltermanagement
Beste Grüße
Sven Jänchen (ubigrate GmbH, Dresden)
Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar, wenn auch mit Werbefaktor! Verzeihen Sie ebenfalls die späte Veröffentlichung des Beitrages. Es geht hier bald wieder weiter im Logistikerblog.
Grüße